Mit der Feder geschrieben

 

In Fesseln bin ich frei

 

 

Über die Schönheit



Hilf mir fliegen

 

 

Lebendig

 

Lesenswerte Texte:


 

Magische Hände

 
 

Ich habe ihn mal wieder zu einer Tantramassage zu mir gebeten.


Ab und zu tue ich mir eben etwas richtig Gutes und jetzt ist es wieder so weit, dass beruflicher Stress und private Anspannung mir einfach zu viel werden und ich dringend entspannen und abschalten will.


Schon die ganzen Tage habe ich mich auf heute Nachmittag gefreut, aber heute bin ich schon mit einem Lächeln aufgewacht.


Für mich fängt die Massage schon damit an, dass ich mein Wohnzimmer dazu gemütlich, ja geradezu festlich herrichte: da schiebe ich nicht mal eben den Couchtisch zur Seite um Platz für das Massagelager zu machen, nein ich habe einen Strauß frischer Blumen besorgt und schmücke den Tisch damit geradezu festlich. Eine Duftlampe wird für verlockenden Wohlgeruch sorgen und ich verteile im ganzen Zimmer Kerzen, die die richtige Atmosphäre schaffen sollen. Im CD-Player wartet die Disc mit meiner Lieblings-Entspannungsmusik und ich drehe die Heizung hoch, damit mir nachher wohlig-warm ist.

 

 

 



 

Er erscheint pünktlich mit seinem ganzen Koffer voller Sachen, die er zum Massieren braucht.


Während ich ihm einen Kaffee aufgieße, bereitet er das Massagelager, stellt das Massageöl in den Flaschenwärmer und trifft die letzten Vorbereitungen.


Dann setzen wir uns erst einmal auf eine Tasse Kaffee zusammen und reden miteinander. Dabei erzähle ich ihm, wie es mir nach der letzten Massage gegangen ist, was mich im Moment beschäftigt und wie es mir allgemein geht.


Danach entkleiden wir uns für die Massage und binden einen Lunghi um, ein schönes Baumwolltuch aus Indien – er im Bad, ich hier im Wohnzimmer und nachdem ich noch einmal kurz zum Klo war, kann die Massage beginnen.


Schon wenn er mich neben dem Lager stehend begrüßt, meine Hände in seinen, wenn er mich mit ruhiger Stimme auf die kommende Massage einstimmt, kann ich den Alltag hinter mir lassen und entspannen.


Schließlich lege ich mich nackt auf die bunten Decken und gebe mich ganz seinen „magischen Händen“ hin – und dem, was er mich sonst noch von seinem Körper spüren lässt (ich stehe ja eigentlich auf rasierte, enthaarte Männer, aber wenn er mich sanft mit seinem Brusthaar berührt, … wow!).


Ich bin ganz im Fühlen – andererseits driftet mein Geist immer wieder weg, ich falle immer wieder in einen leichten Schlummer, obwohl ich eigentlich keinen einzigen Augenblick der Massage verpassen möchte.


Warum laufen mir eben ein paar Tränen aus den Augen?




Ich weiß es nicht, aber ich fühle mich erleichtert und immer wieder überschwemmen mich Wellen der Lust.


Er scheint damit zu spielen: wenn ich gerade auf einem „Hoch“ bin, streicht er ruhig über meinen ganzen Körper, verteilt das Wohlgefühl.


Und wieder findet er eine andere Stelle, deren liebevolle Massage aufs Neue meinen Körper vor Erregung und Glück erschauern lässt.


Die Massage verwöhnt mich überall und schließlich gelangen die wohligen Berührungen zu meinem Intimbereich. Ich muss ehrlich sein: meine Yonit lechzt regelrecht danach, ich strecke mich seinen Händen entgegen, so sehr will ich die Berührung!


Aber auch hier lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen, bleibt weiter bei seinen langsamen, zärtlichen Massagen.

 

Voller Aufmerksamkeit und Hingabe liebkost er jedes Stückchen Haut, jede Falte und als ich endlich seinen Finger an meinem Eingang spüre, saugt meine Yoni ihn förmlich ein!


Die Empfindungen, die in meinem Inneren ausgelöst werden, lassen sich gar nicht in Worte fassen.


Ich nehme äußerst lustvoll Bereiche in mir wahr, von denen ich vor der ersten Tantramassage gar nicht wusste, dass ich sie fühlen kann.


Oftmals tut er vermeintlich gar nichts, hält mit der zarten Bewegung inne und lässt mich einfach spüren.


Ganz tief in mir drin scheint es eine Stelle zu geben, an der er nur ruhig seine Fingerspitze ansetzen muss, um mich vor Wonne stöhnen zu lassen.


Dann berührt er andere Bereiche in mir, die mich in Wallung bringen, nach dynamischer Zuwendung verlangen!


So wechseln sich lustvolle Ruhe und Ekstase miteinander ab.


Und immer wieder kommt das Wohlgefühl wie eine Welle über mich.



Schließlich bin ich völlig erledigt und überglücklich, seine Hände streichen jetzt über meinen gesamten Körper, geben mir das Gefühl, aus einem Stück zu sein, ganz zu sein.



Zärtlich deckt er mich zu und überlässt mich ganz meinen Empfindungen.


Er hat „magische Hände“! Ich weiß nicht, wie sonst das so geschehen konnte. Ich habe mich aufgelöst, bin ganz weit weg – aber gleichzeitig völlig bei mir.



Ich bitte ihn, sich an mich zu kuscheln und mich in seinem Arm zu halten.



Ich schwebe vor Glück.

 

 

 

 

 

 

 

In Fesseln bin ich frei

 

Ich strecke ihm meine Arme entgegen. Die Handflächen zueinander, die Unterarme locker nebeneinander.
Er greift meine Arme.
Das Seil wird um meine Handgelenke geschlungen. Ich registriere noch, wie er kontrolliert, ob die Schlingen auch genug Spiel haben. Er zieht meine gefesselten Hände hoch, gerade über meinen Kopf.
Ich lasse geschehen, gebe mich hin.
Er hat sich wohl hinter mich gesetzt, er zieht mich ganz vorsichtig an sich heran.
Ich liege an ihn gelehnt, die Hände über dem Kopf und spüre wie er unendlich langsam meine Arme entlang streicht, ganz, ganz zart. Fast berührt er nur die feinen Härchen, die sich lustvoll aufgestellt haben.
Ich zerfließe vor Hingabe und Wohlbehagen.
Seine Hand berührt ganz leicht meinen Oberkörper, streifen nur ganz eben über meine Brüste. Meine Knospen recken sich ihm entgegen, aber die Hand liegt schon warm und beruhigend auf meinem Bauch. Auch als seine andere Hand sich genau so zart über meinen nackten Körper bewegt, habe ich keinen Impuls, mich zu bewegen.
Ich liege halb auf ihm, gebe mich den wunderbaren Gefühlen hin, die seine Berührungen auslösen.
Jetzt richtet er mich etwas auf -  wieviel Zeit ist vergangen? Ist Zeit vergangen?
Ein Seil legt sich um meinen Oberkörper.
Es umschließt mich gerade unterhalb meiner Brüste.
Das fühlt sich gut und sicher an. Ich fühle mich noch mehr gehalten. Ich fühle mich dabei so unendlich frei!
Ich kann gar nicht so mehr so wirklich registrieren, was genau geschieht, gerate in einen tranceartigen Zustand.
Es ist dieses wattige Gefühl, wie beim Dösen auf der Couch, an einem faulen Sonntagnachmittag.
Er hat das Seil wohl noch ein paar mal um mich gelegt, es gibt mir Halt und Geborgenheit. Meine Brüste sind umschlungen, fest drückt der Hanf in sie hinein und ich fühle mich auch da gehalten, in Sicherheit.
Das liebkosende Streicheln seiner Hände und der sanft-feste Druck des Seils sind zu einer Gefühls-Sinfonie verschmolzen.
Ich fühle mich sicher und geliebt.
Ich schwebe wie auf einer Wolke.
Zeit hat schon lange ihre Bedeutung verloren.

 

 


Ich liege auf der Seite.
Seine Hände haben ihren langsamen, betörenden Tanz unterbrochen.
Ich schwebe weiter.
Eine Schlinge um mein Fußgelenk.
Eine Schlinge um meinen Oberschenkel.
Fest wird meine Ferse fast an den Po gezogen.
Schlinge um Schlinge umfassen mein Bein, bis sie das Knie erreichen.
Seine Hand gleitet meinen Schenkel entlang.
So viel Genuss.
Ein bestimmter Zug am Seil bringt mich in Rückenlage.
Mein Knie fällt wie von selbst nach außen und mein Geschlecht öffnet sich seinen liebevollen Blicken, seinen zärtlichen Berührungen.
Ich empfinde keinerlei Scham dabei, mich ihm so zu öffnen.
Es ist nicht meine Entscheidung, ich bin ja gefesselt.
Ich bin gebunden und endlich frei von irgendwelchen Moralvorstellungen meiner Erziehung:
"Das macht man nicht!"
Ich mache nichts.
Es geschieht.
Ich bin nicht verantwortlich.
Die Seile bringen mich in die Position, nach der mein Körper lechzt.
Keine Schere im Kopf hindert mich mehr.
Ich bin frei.

 

 


Er berührt mich zart.
Er berührt mich fordernd.
Der Zug am Seil erinnert mich immer wieder daran, dass ich nichts zu verantworten habe, dass er bestimmt, was geschieht.
Seine Hände bewegen sich über meinen gesamten Körper.
So zart, dass ich Gänsehaut bekomme.
So besitzergreifend kräftig, dass ich lustvoll aufstöhne.
Kein Widerstand ist möglich.
Ich gehöre ganz ihm.
Er kann mit mir machen, was immer er will.
Kein Widerstand - ich kann ihm nicht widerstehen.
Ich will ihm nicht widerstehen.
Er hat mich weit geöffnet - meinen Körper und meine Seele.
Er kann mit mir machen, was immer er will.
Und er macht.
Er berührt mich, wie mich noch niemand berührt hat.
Und ich bin voller Hingabe.
Er dringt in mich ein und ich bin ihm so weit geöffnet.
Zart erkunden seine Finger die geheimsten Orte.
Sie berühren mich an Stellen, von denen ich bislang noch nie etwas gefühlt habe.
Sein ganzer Körper schmiegt sich an mich, ich werde von ihm ummantelt, gehalten, geführt.
Geführt in immer tiefere Hingabe, in immer höhere Lust.
Ich öffne mich ihm immer weiter, sehne mich danach, ihn ganz in mir zu spüren und zugleich ganz von ihm umhüllt zu sein.
Er füllt mich aus, mein Fleisch ist zum Zerreißen gespannt und ich winde mich vor Lust um seine Hand.
Glück überschwemmt mich.
Es ist nicht zu verstehen, schon gar nicht zu beschreiben wie unglaublich es sich anfühlt so ihn so stark von innen und außen gleichzeitig zu spüren.
Es ist, als ob das Universum in Urgewalt zerbirst und ich verströme mich in Lust und Wohlempfinden.
Ich schwebe in einem Meer von Sternen.
Farben - Lichter - Emotionen.
...
Zärtlich hält er mich in seinem Arm.
Elektrische Schauer des Glücks laufen immer wieder durch meinen Körper.
Er löst Knoten um Knoten und unendlich langsam zieht er die Seile unter meinem Leib hervor.
Wieviel Wonne kann ich eigentlich aushalten?

Schließlich liege ich nackt und nass an seinen Körper geschmiegt.
Die Seile hat er mir abgenommen - ich fühle mich so sehr verbunden.
Ich fühle mich.
Ich bin ganz bei mir.

 

 

 

Über die Schönheit

 

„Schönheit ist vergänglich!

Und bei mir ist sie schon seit langem dahin.
Ne, nee.“

Die alte Dame hatte auf ihre Hände geschaut. Jetzt nahm sie sie vom Tisch und versteckte sie in ihrem Schoß.

„Das ist so nicht richtig!“
Der Herr ihr gegenüber sah ihr direkt in die Augen.

„Ich will hier gar nicht Süßholz raspeln und Ihnen die Komplimente machen, die Sie verdienen.“
Sie blickte ihn fragend an.

„Ich bin sozusagen Fachmann für Schönheit.“
Er griff ohne den Blick von ihr zu nehmen zu seiner Kaffeetasse und trank einen Schluck.

„Ich habe mein Leben der Schönheit gewidmet!“ verkündete er.
„Ich bin Maler, Kunstmaler, müssen Sie wissen.“
Er setzte die Tasse zurück und beugte sich leicht zu der Dame vor.

„Ich will Ihnen das mit der Schönheit gerne erläutern.
Schönheit – darunter verstehen die meisten Perfektion, das Ideal.
Die perfekte Form ist eine Kugel, oder um bei meiner Profession zu bleiben, der Kreis.
Nun stellen Sie sich das mal bildlich vor: ein schwarzer Kreis auf weißem Quadrat, genau mittig.
Alles im Gleichgewicht, optimaler Kontrast, alles perfekt. 
Und entsetzlich langweilig!
Ist Langeweile denn Schönheit?
Sicher nicht!“

„Nein, aber ich habe da diese Tuschezeichnung hängen. Aus Japan, oder Korea, jedenfalls aus Fernost. Da ist mit einem einzigen Pinselstrich mit schwarzer Tusche ein Kreis gemalt. 

Ich liebe dieses Bild, ich schaue oft darauf und es hilft mir beim Meditieren“ gab die Dame zu bedenken.

„Genau, da haben wir ein perfektes Beispiel“ bestätigte der Maler.
„Ihr japanischer Tuschekreis ist von Hand gemalt. 

Sie können sehen, wo der Meister den Pinsel aufgesetzt hat: da ist der Strich etwas breiter. Und wo der Pinsel das Papier verlassen hat läuft der Strich dünner aus.

Der Kreis ist nicht so perfekt rund, wie der ideale, der langweilige aus meinem Beispiel.
Er steht auch nicht so exakt in der Mitte.
Ein Meister weiß, dass er sich der idealen Form nur annähern kann, dass aber genau die Abweichung vom Ideal das Lebendige, das Künstlerische ausmacht.
In Ihrer Tuschezeichnung sehen Sie die Spur des Bemühens eines Meisters um Perfektion.
Das Tuschebild ist die Materie gewordene Spur dessen, was der Meister sein Leben lang geübt, gemalt, gelebt hat.
Das ist letzten Endes die Schönheit: nicht das Ideal, sondern die Spur unseres Strebens, das Zeugnis unserer Tätigkeit, unseres Bemühens nach dem Ideal.“

„Sie wollen also sagen, dass die Schönheit darin liegt, dass etwas nicht ganz perfekt ist?
Ist das nicht ein Widerspruch in sich“ wandte die Dame ein.
„Nein, das ist kein Widerspruch“ erwiderte der Maler.
„Sehen Sie sich in den Künsten um:
die Schönheit eines Musikstückes liegt nicht in der Aneinanderreihung von perfekten Harmonien, sondern in der Spannung der harmonischen zu den weniger harmonischen Tonabständen – bis hin zu krassen Dissonanzen.“

Die beiden verstummten und jeder hing eben seinen Gedanken zu diesem Thema nach.

„Aber was hat das jetzt damit zu tun, dass meine Schönheit verblüht ist? 
Ich bin alt geworden, die Haut ist schlaff und runzelig. 
Da ist keine Schönheit mehr“, seufzte die Dame.

„Jetzt bekommen Sie mich doch fast dazu, dass ich Ihnen Komplimente mache.“
Der alte Herr sah sie aufmerksam an.

„Aber ich will nicht Ihre persönliche Schönheit besingen. 
Das könnten Sie mit einem ‚ach was‘ beiseite wischen.
Lassen Sie es mich weiter allgemein halten, bis Sie sich selbst darin wiederfinden können.

Sie haben hier in Ihrem Wohnzimmer diesen wunderbaren Sekretär:
edles Holz, die alte lederne Schreibunterlage.
Ein Erbstück?“

„Ja, da hat meine Großmutter schon ihre Korrespondenz dran geführt.
Sie hat ihn geliebt!“

„Sehen Sie, das Möbel war schon ein besonders schönes Stück, als Ihre Großmutter es bekommen hat.
Die feine Tischlerarbeit, die ausgewogenen Proportionen, die anmutigen Verzierungen, die stabile Schreibplatte mit der Unterlage aus Leder.
Ich stelle mir vor, wie das frische Holz geduftet hat!
Und ist der Sekretär mit den Jahren hässlich geworden?
Er war aus der Mode gekommen, das ja.
Er entsprach irgendwann nicht mehr dem allgemeinen Geschmack.
Aber er hat seine Schönheit behalten.
In gewisser Weise hat er sogar an Attraktivität zugenommen.

Stellen Sie sich einfach mal das gleiche Möbel in fabrikneu daneben vor: das alte ist das wertvollere, das schönere.
Mit all seinen Gebrauchsspuren: dem abgeschabten Holz, wo die Schublade immer entlanggeglitten ist. Die vom vielen Anfassen rund und glatt geschliffene Vorderkante. Das Holz vom Alter gedunkelt, selbst die Kratzer und die paar Tintenflecke machen es nicht hässlich.
Sie sind Spuren von Gebrauch, sie laden das Möbel mit Bedeutung auf.
In diesem Fall mit der Bedeutung all der Gedanken, die Ihre Großmutter daran zu Papier gebracht hat. Und die Ihrer Mutter. Und dann Ihrer eigenen.
Das sind alles Spuren des Geistes, die in der Materie ihre Form gefunden haben.
Vom Entwurf des Möbeldesigners angefangen bis hin zu den Spuren derer, die dieses Möbel benutzt haben“

„Sie meinen also, der Sekretär sei schön, weil er alt ist?“
Die alte Dame sah den Maler zweifelnd an.

„Nein, es gibt natürlich auch hässliche alte Möbel.
Die waren aber nie schön – höchstens mal modisch. Nicht das Alter hat sie hässlich gemacht.
Die Schönheit vergeht nicht.
Im Gegenteil, die Spuren, die der Gebrauch und die Jahre hinterlassen haben, sind noch ein zusätzlicher Wert, etwas was sie einem gleichen neuen Stück voraus haben.“

Der alte Maler erhob sich, ging um den Tisch herum zu der Dame und nahm ihre Hand.
„Vielen Dank für den Kaffee. 
Und noch mehr für das Gespräch.
Ich möchte jetzt die letzten Sonnenstrahlen nutzen und ein wenig spazieren gehen. 
Das Herbstlicht auf dem bunten Laub der alten Bäume ist einfach zu schön, um es zu verpassen.“

Er hob ihre Hand ein wenig und deutete ganz altmodisch einen Handkuss an.
„Einen angenehmen Abend noch.
Und denken Sie an meine Worte, wenn Sie sich nachher im Spiegel betrachten.
Die Schönheit vergeht nicht.
Die Spuren des Lebens erhöhen sogar noch ihren Wert!“





 

 

 

Hilf mir fliegen

 

Es ist dunkel.

Ganz dunkel.
Überall.
Ich kann mich nicht bewegen.
Ich bin also wach.
Ich liege und warte.
Mein Körper ist wie taub.
Ich will hier raus.

 

 

Mein Körper erinnert sich.
Immer.
Immer diese Sehnsucht nach Nähe.
Immer liege ich hier alleine.
Einsam.
Bewegungslos.

 

 

Ich will wieder fühlen.

Mich gehalten fühlen.

Nähe fühlen.

Einen Mann fühlen.

Mich fühlen

als Frau.

Ich will !

 

Ich sage es.

 

Die Worte bilden sich mühsam.

 

Ich sage es immer wieder.

 

 

Ich nehme ein wenig Helligkeit war.
Es ist Tag.
Es ist Nacht, wenn dieser leichte Schein verschwindet …
 

 

Er hat eine angenehme Stimme.
Er füttert mich häppchenweise mit Kuchen.

 

 

Er ist für mich da.

Er hat Zeit für mich.

Nimmt sich die Zeit.

Er versteht, was ich sagen will.

Fragt nach, bis er verstanden hat.

 

Wir lachen.

 

Ich mag sein Lachen.

 

 

Ich werde ausgezogen.
Er macht das anders.
Etwas unbeholfen.
Sonst werde ich eben hochgezogen, gedreht, ruckzuck, fertig.
Er hat es nicht so drauf.
Mein Ellbogen verhakt sich im Hemd.
Ganz liebevoll befreit er mich.       
Genau so fühlt es sich an: voller Liebe.

 

 

Seine Fingerspitzen berühren mich gerade eben so.
Unendlich langsam gleiten sie über meine Haut.
Die feinen Härchen richten sich auf: Gänsehaut.
Erinnerungen.
Bilder erscheinen, Gefühle.
Manfred mit dem Motorrad.
Das aufregende Kribbeln zwischen meinen Beinen wenn er beschleunigt.
Ich, an ihn geschmiegt.
Wir neigen uns in die Kurven.
Aufregung und Geborgenheit.
Ich gebe mich hin.
Wir fliegen.

 

 

Ich gebe mich ihm hin:
raus aus der Lederkombi
seine rauen Hände greifen fest nach meinen Brüsten.

 

 

Es ist rechts ein kleines bisschen Helligkeit.
Es ist Tag.
Ich kann mich nicht bewegen.

 

 

Die innigen Berührungen, so lange vermisst.
Ich lächele glücklich.
Mühsam bildet sich in meinem Mund ein Wort:
"Titties"

 

 

Wir sind nackt.
Ich spüre seine Haut an meiner.
Mein Körper erinnert sich,
an all diejenigen Berührungen.

 

 

Wir waren nackt in den See gerannt.
Die Ledersachen hatten wir uns vom Leib gerissen und beim Motorrad liegen lassen.
Das kühle Wasser auf unserer verschwitzten Haut.
Lachen.
Toben.
Ich falle ihm atemlos um den Hals und klammere die Beine um ihn.
Ich spüre sein hartes Glied.
Lachend trägt er mich ans Ufer.
Ich spüre ihn in mir.
Lust durchflutet mich.
Mein Kopf ist wattig.
Ich fliege.

 

 

Ich spüre seinen Körper neben mir.
Er kuschelt sich an mich.
Er hält mich im Arm.
Ich fühle mich sicher.
Ich fühle mich gehalten.
Ich fühle mich.
Ich fühle.

 

 

"Ja, deine Titties!“ wiederholt er leise.
Zärtliche Hände an meinen Brüsten.
Ganz zartes Streicheln:
ganz zärtliche Gefühle kommen in mir auf.
Beherztes zufassen: Mein Herz geht auf.
Meine Nippel richten sich auf.
Neckisches Zupfen:
ein lustvolles Ziehen bis in meinen Schoß.

 


Seine Finger spielerisch in den kleinen krausen Löckchen.
Lockendes Streicheln an meinen Lippen.
Ein Gefühl, wie das wärmende Licht der Sonne.
Ich möchte mich ihm öffnen wie eine Blume.
Die Flügel öffnen wie ein Schmetterling …
Mein Körper unbewegt,
die Schenkel unbeweglich.
Mein Geist hebt ab.
Ich zerfließe vor Verlangen.
Ich fließe aus vor Lust.
Schmatzende Geräusche
- wie Flügelschlag.
Ich hebe ab.

Farben, …, Lichter, …, Wonne, …, Glückseligkeit.

 

 

Abtauchen in zärtliche Wärme,
Ruhe,
gehalten werden,
Haut an Haut,
Sicherheit,
Vertrautheit,
zärtliche Nähe.
Bilder steigen auf …
Sonne,
frisches Grün,
Wind in den Haaren,
auf nackter Haut.
Sein Atem auf meiner nackten Haut
lässt Erinnerungen wieder lebendig werden,
sie sind jetzt wieder,
ich fühle jetzt
das Salz auf der Haut,
das Streicheln zärtlicher Hände,
eine neue Welle der Lust,
meine Seele erhebt sich,
breitet die Flügel aus …
komm …,
mach …,
Ich will ihn in mir spüren,
ich will wieder abheben,


hilf mir fliegen.

 

 

 

 


Lebendig

 

Ich fühle mich so unglaublich lebendig, so voller lustvoller Energie, so randvoll mit Freude und Liebe!

Ich wache nachts auf und habe eine steinharte Erektion – wie ein Teenager.

Mein bestes Stück fühlt sich lebendig und sensibel an. Manchmal so unglaublich gefühlvoll, dass ich mich eben aus meiner Partnerin zurückziehen muss, um mich nicht zu verströmen. Wenn sie jetzt auch nur mit dem Finger seine Spitze berührte, ich würde sofort vor Lust explodieren!

Ich konzentriere mich auf die richtige Atmung und bemerke, wie schon nach ein paar Atemzügen das Übermaß an Spannung nachlässt, sich die sexuelle Energie im gesamten Körper verteilt, mich von Kopf bis Zeh wohlig erschaudern lässt.

Die jugendliche Härte hat sich bald gelegt, aber die sinnliche Empfindung bleibt.

Jede Pore atmet Lust und ich kann jeden einzelnen Augenblick genießen. 

Das hört nicht auf – das geht stundenlang so weiter!

Selbst nachdem wir voneinander gelassen haben, laufen immer wieder wohlige Schauer meinen Rücken hinauf.

Und zwischendurch atme ich immer wieder bewusst, um den Überschuss an schönen, prickelnden Gefühlen aus meinen Lenden in meinem gesamten Körper zu verteilen.

Ich fühle mich jung und lebendig und so voller Glück.

Und das mit über 60!

Kein chemischer Überhang blauer Tabletten der Pharmaindustrie versetzen mich so in Hochstimmung, alles geschieht ganz natürlich.

Vermutlich hat Mutter Natur sich das genau so vorgestellt, als sie uns mit all diesen vielfältigen Empfindungsmöglichkeiten erschaffen hat.

Das alles hat für mich eigentlich mit einer Tantramassage angefangen.

Ein sinnliches Ganzkörpererlebnis, das bis in die Seele berührt.

Und mich schließlich auf den Weg gebracht hat herauszufinden, was das eigentlich ist, das „Tantra“; was da noch so möglich ist, wenn so eine -technisch gesehen- recht schlichte Berührung meiner Haut so tiefgehende Empfindungen ermöglicht.

Ich will hier niemanden langweilen mit Literaturhinweisen. Als bekennender „Bücherwurm“ war das für mich ganz selbstverständlich, mich durch Berge von Büchern zu fressen. Aber, wie meistens im Leben: es ist gut zu wissen, aber wirklich lernen wir erst durch das Tun.

Ganze Welten taten sich auf und tun sich immer wieder neu auf. 

Ich begegne neuen, uralten Ideen, 

Menschen, die wie ich auf der Reise sind, 

Menschen, die einige Schätze gefunden haben.

Ich begegne meinen eigenen Dämonen.

Ich begegne allumfassender Liebe.

Ich begegne mir selbst.

Ich lerne still zu sitzen und zu meditieren.

Ich lerne zu tanzen und zu spielen.

Ich lerne zu zappeln und zu schreien.

Ich lerne mich selbst wahr zu nehmen und an zu nehmen.

Ich lerne ganz neu und ganz bewusst ein Mann zu sein.

Ich lerne ganz neu und ganz bewusst dem Weiblichen zu begegnen.

Ganz bei mir zu sein und gleichzeitig ganz bei meinem Gegenüber.

Ganz zu sein.

Mit Haut und Haar, Kopf und Herz, Körper und Seele.

Ich erfahre, dass Spiritualität und Sexualität keine Gegensätze sind, sondern ganz natürlich zusammen gehören.

Dass Sex Gebet sein kann;

der Körper ein Tempel ist.

Mir ist geholfen worden, alte Körperpanzer zu lösen. Panzer, die ich zum Schutz vor emotionalen Schmerz angelegt hatte, die inzwischen aber nur hindern, statt zu nützen.

Ich habe mich bewusst der Ejakulation enthalten und so meinen Körper wieder in seinen natürlich-energievollen Zustand gebracht, in dem ich wieder den unbefangenen Zugang zu meiner Intuition und Schöpferkraft gefunden habe.

Und so wende ich mich nicht von der Welt ab, um als Asket das Fleischliche zu besiegen, sondern ehre die Gaben, mit denen wir so reichlich beschenkt worden sind.

Ich lerne wieder, in Dankbarkeit zu genießen.

Für mich und diesen Tempel zu sorgen.

Den einzelnen Moment der Freude auszukosten.

Dabei fühle ich mich immer jünger, von Lebensenergie durchströmt.

Und das nicht nur im übertragenen Sinne, sondern ganz konkret, bis in jede Zelle, jedes Nervenende.

Ich fühle mich so unglaublich lebendig, so voller lustvoller Energie, so randvoll mit Freude und Liebe!


 

Menstruation ist (auch) Männersache

 

Und schon schlägt mir von allen Seiten Widerstand entgegen.

Die Frauen finden, dass das ein ur-weibliches Thema ist, zu dem Männer nun echt nichts zu sagen haben und die Männer finden, dass das ein Thema ist, mit dem sie möglichst nicht behelligt werden möchten.

Aber zwangsläufig haben Männer damit zu tun, wenn sie mit einer Frau in entsprechendem Alter zusammenleben:
Gereiztheit und schlechte Laune – jeden Monat müssen Sie das bei Ihrer Partnerin erleben, jeden Monat sicher eine Woche lang.

Die gleiche Haltung bei den meisten Frauen: von Krämpfen und unerwünschten Gefühlsausbrüchen gebeutelt schlucken sie Schmerzmittel, warten darauf, dass es vorbeigeht und versuchen in der Zwischenzeit möglichst so zu tun, als ob nichts wäre. Nur nichts anmerken lassen, „einfach“ weiter funktionieren. In der Familie und vor allem in der Arbeitswelt.

Der Niederländer Peter de Vroed ist dem nachgegangen und hat über 500 Frauen befragt, wie sie ihren Zyklus erleben und wie sie die Zeit der Menstruation durchleben.

Die Ergebnisse und seine Folgerungen daraus hatte in einem E-Book veröffentlicht (Peter de Vroed: „Men-struatie – ook een mannen-zaag„,  global-portals 2016, ) und gemeinsam mit seiner Freundin ausprobiert, wie man das besser angehen könnte.

Setzt bei ihr die Blutung an, dann bekommt sie einen ganzen Tag Ruhe. Ruhe von allem: keine Arbeit, kein Haushalt, keine Kinder.

Er bringt ihr heißen Tee und erledigt alles, was getan werden muss.

Sie hat den ganzen Tag zum Ausruhen. Neben ihrem Bett liegen Block und Stift bereit, denn ihr kommen oftmals außerordentlich kreative Ideen.

Sie braucht keine Schmerzmittel mehr zu nehmen und die Zeit ihrer Blutung ist von 7-8 auf 1-2 Tage zurückgegangen.

Nach dieser kurzen Zeit der Ruhe ist sie voller Energie, voller neuer Ideen, ausgeruht und ausgeglichen. 
Das kommt ihr, ihrer Familie, und ihrer Arbeit zugute: die ein bis zwei Tage Pause holt sie doppelt wieder ein, da sie jetzt ganz fit ist, konzentriert und effektiv arbeitet, statt wie früher eine ganze Woche schlecht drauf zu sein und nur mit halber Kraft arbeiten zu können. 
Für ihn lohnt sich der Einsatz auch: er muss nicht mehr mit ihrer menstruationbedingten Gereiztheit und starken Gefühlsschwankungen umgehen. 
Das Zusammenleben gestaltet sich für die gesamte Familie viel entspannter und glücklicher. 

Aber nicht nur die komplette Übernahme der häuslichen Pflichten während der Menstruation ist bei diesem Thema Männersache.

Peter geht weiter und schlägt ein gesamtgesellschaftliches Konzept vor (und hat in den Niederlanden schon eine entsprechende Unterschriftenaktion gestartet):

Frauen sollen per Gesetz Recht auf ein bis zwei Tage „Menstruationsfrei“ haben. Die „verlorene“ Arbeitszeit machen Sie durch effektivere Arbeit danach doppelt wieder wett und da sie nicht jeden Monat über ihre Kräfte arbeiten, bleiben sie besser gesund.

So ist das ein politisches Thema geworden. Eins, dass unser Bewusstsein anspricht, etwas das organisiert werden muss.

Wir Männer sind aufgerufen, den entsprechenden Rahmen mit zu schaffen, damit Frauen ihrer Biologie entsprechend leben und arbeiten können.

Bislang haben die Frauen sich der Männergesellschaft anpassen müssen, stehen im Beruf „ihren Mann“.

Aber zu einem unverhältnismäßig hohen Preis: Sie beuten jeden Monat ihre Energiereserven über die Maße aus, nehmen regelmäßig Schmerzmittel und leiden unter prämenstruellem

Syndrom (PMS).

Das muss nicht sein, wenn wir alle Einsicht zeigen und mit der Natur arbeiten, statt gegen sie, wenn wir gemeinsam gesunde, natürliche Bedingungen schaffen.

In diesem Sinn ist Menstruation auch Männersache.

 

 

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