Warum Frauen in der Sexualbegleitung oft schon beim ersten Kontakt fragen: „Würden Sie denn auch wirklich aufs Ganze gehen?“

Thomas Aeffner • 30. November 2025

Ein ehrlicher Blick in meine Praxis – und ein Plädoyer für mehr Normalität und Nähe

„Hallo Herr Aeffner, ich habe Ihre Website gefunden. Sie machen doch Sexualbegleitung – wie weit würden Sie gehen? Ist… Geschlechtsverkehr möglich?“

Diese Frage höre ich seit vielen Jahren fast identisch – von den Frauen selbst, von Angehörigen oder Betreuenden. Und jedes Mal weiß ich: Das ist kein „Katalog-Check“ (Sexualbegleitung - was geschieht da eigentlich?). Das ist ein Satz, der sagt: „Ich will nicht mehr nur existieren. Ich will endlich spüren, dass ich eine Frau bin.“


eine grauhaarige nackte Frau liegt auf dem Rücken im Bett. Über ihr kniet ein nackter Mann, von dem man nur den Teil eines Beines und seine Hände sieht. Der Mann streichelt der Frau liebevoll ihre Wange

lustvolle zärtliche Berührung

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Die fünf riesigen Hürden, die eine Frau nehmen muss


Bevor eine Frau mir schreibt, hat sie meist schon einen inneren Marathon hinter sich, denn sie muss überwinden, was ihr durch Erziehung und gesellschaftliches Rollenbild eingetrichtert wurde:

  1. Sich selbst einzugestehen: „Ich will Sex. Richtigen Sex.“ - obwohl Frauen so etwas doch angeblich nicht so wichtig finden.
  2. Das auch ihrem Umfeld, einer Freundin, einem Betreuenden gegenüber in Worte zu fassen – über so etwas spricht man nicht.
  3. Aktiv zu werden – statt wie „ein braves Mädchen“ auf den Prinzen zu warten.
  4. Akzeptieren, dass gerade kein Partner da ist, der sie begehrt. Frauen brauchen doch nur ein Taschentuch fallen zu lassen ...
  5. Professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen – und dafür zu bezahlen. Etwas, das bei Männern noch halbwegs akzeptiert wird, bei Frauen aber immer noch als „No-Go“ gilt.

Wenn eine Frau diese fünf Hürden überwindet, dann muss der Leidensdruck schon riesig sein. Dann reicht ihr Kuscheln allein meist nicht mehr – so heilend und wichtig es auch ist. Dann will sie das volle Programm. Weil alles andere sich wie eine weitere Absage anfühlen würde: „Du musst dich mit Ersatz zufrieden geben“.

Sie will spüren: Ich bin eine Frau, nicht die Behinderete, die Kranke, die Sterbende. Ich bin begehrenswert. Ich werde ernst genommen. Ich bin normal. Ich gehöre dazu.



Auf einem Tisch mit Kerzen und einer Blume liegen verschiedene Bücher, die ein veraltetes Rollenbild transportieren:

Wer sind diese Frauen eigentlich?


Es sind nicht irgendwelche bemitleidenswerten Geschöpfe. Es sind Frauen. Mit Sehnsucht. Mit Geschichte. Mit unglaublichem Mut.

  • Die 98-jährige Witwe im Pflegeheim, die seit Jahrzehnten keine zärtliche Berührung mehr erlebt hat und sagt: „Ich möchte noch einmal spüren, wie es ist, körperlich geliebt zu werden.“
  • Die Frau mit MS im Endstadium, die weiß, dass sie bald stirbt, und flüstert: „Ich will noch einmal fühlen, dass ich eine Frau bin.“
  • Die blinde und gelähmte Frau, die kaum sprechen kann, aber mit jedem Muskel „Ja“ sagt, wenn ich sie sanft berühre.
  • Die Frau mit infantiler Zerebralparese, die ihren Körper nicht gezielt bewegen kann und auf Assistenz angewiesen ist, die noch Tage nach einem Orgasmus deutlich weniger Spasmen hat, glücklicher erscheint.
  • Die Frau mit schwerer PTBS und Vaginismus nach Missbrauch, die nach Jahren Therapie endlich ihren Körper mit positiven Erfahrungen füllen möchte – ohne Druck, ohne „Nun mach schon“, ganz nach ihrem eigenen Tempo.
  • Die geistig eingeschränkte Frau, die in ihrer Einrichtung als „sexuell entgleist“ abgestempelt wird, weil sie ständig „Ficken!“ ruft – und bei mir lernt, dass echte Zärtlichkeit auch für sie möglich ist, mit klaren Regeln und echtem Respekt.
  • Die 35-Jährige ohne sexuelle Erfahrung, die sich unter Freundinnen ausgeschlossen fühlt, weil alle von ihrem Sexleben erzählen. „Mach mich bitte fit fürs Leben“, sagt sie – und strahlt Wochen später.

Jede einzelne von ihnen will dasselbe: Nicht bemitleidet, sondern begehrt werden.

Auf einem Holztisch stehen an der Wand eine Topfblume,zwei Kerzen, gerahmte alte Fotografien. Auf dem Tisch selber liegen zwei vom Gebrauch abgenutzte Bücher - das eine ist

Ein handgeschriebener Brief: "... in einer etwas delikaten Angelegenheit ..."

Was passiert, wenn wir diesen Wunsch ernst nehmen?


Dann passieren Wunder.

Frau A, 98 Jahre alt, schrieb mir einen handgeschriebenen Brief. Wir trafen uns, redeten stundenlang, lachten über alte Geschichten – und ja, es gab auch die volle Intimität, sanft, respektvoll, mit all dem Kuscheln, das sie so vermisst hatte. Wochen später erzählten die Pflegekräfte: „Sie ist wie ausgewechselt. Sie lacht wieder. Sie lebt wieder.“

Frau B, MS im Endstadium, wollte „noch einmal alles spüren“. Unser Termin wurde zu einem zärtlichen Spiel – in ihrem Tempo, nach ihren Regeln. Sie hat geweint, gelacht und gesagt: „Wenn ich jetzt gehe, dann als Frau. Nicht als Opfer.“

Frau C, nach Missbrauch und jahrelanger Therapie: „Ich brauche einen sicheren Rahmen.“ Alles war von ihr gesteuert, sie hatte die ganze Zeit die volle Kontrolle. Kein Druck. Nur Annahme. Heute sagt sie: „Ich fühle mich endlich wieder ganz.“


angedeutet: ein nacktes Paar im Bett  Man sieht nur einen Arm und die Hände der Frau und die kräftigen Hände des Mannes, der sie zärtlich berührt.

ich berühre in Liebe

Fazit: Es geht um Menschlichkeit, nicht um Luxus



Sexualbegleitung für Frauen ist kein „Extraservice“, nicht „das Sahnehäubchen“. Es ist ein Akt der Teilhabe. Ein Akt der Wiederherstellung von Würde. Ein Akt, der sagt: Auch du hast ein Recht auf das volle Leben – mit all seinen Facetten.

Wenn eine Frau den Mut hat, die fünf Hürden zu nehmen und zu fragen: „Gehen Sie auch wirklich aufs Ganze, ist Geschlechtverkehr möglich?“ – dann verdient diese Frage nur eine Antwort von mir:

„Grundsätzlich: Ja. Weil du es wert bist. Weil du eine Frau bist. Weil du dazugehörst.“

Im Bett liegen die eine Frau und ein Mann. Man sieht ihre Oberkörper und Köpfe. Sie haben sich zärtlich umarmt und sehen sich liebevoll an.

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