Rattenfänger
Thomas Aeffner • 21. Dezember 2023
Manipulative Kommunikation

Vor ein paar Jahren hatte ich einen kurzen Text mit dem Titel „Loverboys und andere Rattenfänger“ veröffentlicht.
Ich neige dazu, Texte sehr kurz zu halten, manchmal werden sie dann so kurz, dass es den Lesern kaum noch möglich ist, die Aussage darin auch wirklich wahrzunehmen.
Aus aktuellem Anlass überarbeite ich den Text, führe ein wenig mehr aus, worum es mir dabei eigentlich geht.
Der aktuelle Anlass ist die Art und Weise, wie z.B. Frau Bär auftritt, um das Sexkaufverbot, auch „nordisches Modell“ genannt, zu promoten.
Erinnert ihr euch an die Geschichte vom Rattenfänger von Hameln?
Hameln wurde in der Sage von einer Rattenplage heimgesucht.
Ratten sind sehr intelligente Tiere, und wer einmal beobachtet hat, wie wirkungslos z.B. Schlagfallen sind, um Ratten zu fangen und zu töten, der weiß wie clever die sind.
Das funktioniert nämlich auf Dauer nicht: die Ratten beobachten, was mit ihren Artgenossen geschieht, wenn sie an den Köder gehen. Und fallen dann nicht mehr darauf herein.
Da sich die Situation für die Hamelner auf konventionelle Weise nicht regeln ließ, lobten sie einen Preis aus für denjenigen, dem es gelänge, die Ratten aus der Stadt zu vertreiben.
Schließlich erfolgreich war ein Mann, der so unwiderstehliche Musik machte, dass ihm die Ratten wie in Trance folgten, bis in die Weser. Dort ertranken sie dann – Problem gelöst.
Was hatte er denn jetzt anders gemacht, als alle vor ihm?
Er sah, dass die Ratten schlau sind und die Gefahren sehen, die Fallen erkennen und sich mit ihrem Verhalten darauf einstellen.
Also ging er einen anderen Weg, bei dem den Ratten ihr Verstand nichts nützte: er sprach sie auf emotionalem Weg an! Er spielte Musik, er weckte Emotionen – und je stärker die Emotionen, desto mehr wird der Verstand ausgeblendet.
Der Rattenfänger ging also musizierend durch die Stadt und erreichte so auch die letzte Ratte, im letzten Winkel. So wunderbare Musik machte er, dass die Ratten all ihren klaren Verstand ausser acht ließen und wie in Trance dem Rattenfänger folgten. Erst durch die Stadt, dann sogar in das Wasser der Weser, in dem sie dann schließlich ihren Untergang fanden.
Wie wirksam diese Vorgehensweise ist, wird uns im weiteren der Geschichte erzählt, denn nicht nur die eigentlich klugen Ratten ließen sich von ihm betören, nein, das funktioniert auch bei Menschen.
Als nämlich die Hamelner Bürger den Rattenfänger um den versprochenen Lohn prellten, ging er wieder durch die Stadt und musizierte so mitreißende Musik, dass ihm diesmal die Kinder hinterher liefen. Wie in Trance folgten sie ihm, vergaßen alles was ihre Eltern ihnen zu ihrem Schutz beigebracht hatten, vergaßen alle Vorsicht. Überwältigt von den Emotionen, die der Rattenfänger in ihnen aufrief, mit denen er so gekonnt spielte, mit denen er sie nach Lust und Laune manipulierte, verließen sie die Sicherheit ihrer Realität, verliessen die Stadt, verliessen alles und folgten dem Rattenfänger. Er spielte weiter auf dem Instrument ihrer Emotionen, sodass sie nicht sahen, was er mit ihnen machte, wohin er sie führte und sie folgten ihm, wohin auch immer er sie gelockt hat.
Dieses Rattenfänger-Prinzip ist also schon alt und obwohl wir alle davor gewarnt wurden, wird es immer noch eingesetzt.
Aktueller Anlass um ganz deutlich davor zu warnen, sind die Auftritte von Frau Bär, die mit genau diesen Rattenfängermethoden dabei ist, Menschen dazu zu bringen, nicht kritisch zu denken, sondern eingelullt in Emotionen ihr zu folgen, egal in welche Fallgruben dieser Weg auch führen mag.
Sie malt schreckliche Bilder, die die Zuhörerinnen und Zuhörer packen und erschüttern sollen. Ihr Sprachgebrauch ist vollgepackt mit bewußt falschen Zahlen, falschen Behauptungen, falschen Ausdrücken – um die Zuhörer so stark wie möglich zu erschüttern.
Natürlich spricht sie von „Frauen kaufen“, von „Vergewaltigung gegen Bezahlung“, mal Bilder von Gewalt und Verbrechen, macht sexuelle Dienstleistungen und Menschenhandel in ihren Erzählungen zu ein und dem selben und beschuldigt alle Andersdenkenden, kein Herz und keine Moral zu haben.
Mit anderen Worten: sie zieht alle Register, um ihre Zuhörer in diesen Zustand der emotionalen Entrüstung zu bugsieren um dann die schnelle Lösung anzubieten: das Sexkaufverbot.
Alle Apelle, doch bitte auf eine sachliche Ebene zurück zu kommen und tatsächlich vorhandene Probleme auch wirklich zu besprechen und zu zielführenden Lösungen zu kommen, ignoriert sie und legt statt dessen noch nach, schürt weiter Emotionen, beschuldigt Andersdenkende und schafft es immer wieder, nicht kluge Problemlösungen zu besprechen, sondern andere emotional in schlechtes Licht zu stellen.
Wie gezeigt: die Rattenfängermethode par excellence.
Ich liebe die Kunst und den künstlerischen Ausdruck.
Ich geniesse es, wenn dadurch Emotionen geweckt werden.
Ich weiss um die Wichtigkeit von Gefühlen für unser Mensch-sein.
Und ich weiß um die Katastrophen, die ausgelöst werden, wenn zur Durchsetzung politischer Pläne die bewußte Entscheidung durch geschürte Emotionen, durch Propaganda verdrängt werden.
Wir brauchen empathische, kritische Menschen, um Entscheidungen zu treffen.
Wir brauchen keine Rattenfänger.
21.12.2023
Ich neige dazu, Texte sehr kurz zu halten, manchmal werden sie dann so kurz, dass es den Lesern kaum noch möglich ist, die Aussage darin auch wirklich wahrzunehmen.
Aus aktuellem Anlass überarbeite ich den Text, führe ein wenig mehr aus, worum es mir dabei eigentlich geht.
Der aktuelle Anlass ist die Art und Weise, wie z.B. Frau Bär auftritt, um das Sexkaufverbot, auch „nordisches Modell“ genannt, zu promoten.
Erinnert ihr euch an die Geschichte vom Rattenfänger von Hameln?
Hameln wurde in der Sage von einer Rattenplage heimgesucht.
Ratten sind sehr intelligente Tiere, und wer einmal beobachtet hat, wie wirkungslos z.B. Schlagfallen sind, um Ratten zu fangen und zu töten, der weiß wie clever die sind.
Das funktioniert nämlich auf Dauer nicht: die Ratten beobachten, was mit ihren Artgenossen geschieht, wenn sie an den Köder gehen. Und fallen dann nicht mehr darauf herein.
Da sich die Situation für die Hamelner auf konventionelle Weise nicht regeln ließ, lobten sie einen Preis aus für denjenigen, dem es gelänge, die Ratten aus der Stadt zu vertreiben.
Schließlich erfolgreich war ein Mann, der so unwiderstehliche Musik machte, dass ihm die Ratten wie in Trance folgten, bis in die Weser. Dort ertranken sie dann – Problem gelöst.
Was hatte er denn jetzt anders gemacht, als alle vor ihm?
Er sah, dass die Ratten schlau sind und die Gefahren sehen, die Fallen erkennen und sich mit ihrem Verhalten darauf einstellen.
Also ging er einen anderen Weg, bei dem den Ratten ihr Verstand nichts nützte: er sprach sie auf emotionalem Weg an! Er spielte Musik, er weckte Emotionen – und je stärker die Emotionen, desto mehr wird der Verstand ausgeblendet.
Der Rattenfänger ging also musizierend durch die Stadt und erreichte so auch die letzte Ratte, im letzten Winkel. So wunderbare Musik machte er, dass die Ratten all ihren klaren Verstand ausser acht ließen und wie in Trance dem Rattenfänger folgten. Erst durch die Stadt, dann sogar in das Wasser der Weser, in dem sie dann schließlich ihren Untergang fanden.
Wie wirksam diese Vorgehensweise ist, wird uns im weiteren der Geschichte erzählt, denn nicht nur die eigentlich klugen Ratten ließen sich von ihm betören, nein, das funktioniert auch bei Menschen.
Als nämlich die Hamelner Bürger den Rattenfänger um den versprochenen Lohn prellten, ging er wieder durch die Stadt und musizierte so mitreißende Musik, dass ihm diesmal die Kinder hinterher liefen. Wie in Trance folgten sie ihm, vergaßen alles was ihre Eltern ihnen zu ihrem Schutz beigebracht hatten, vergaßen alle Vorsicht. Überwältigt von den Emotionen, die der Rattenfänger in ihnen aufrief, mit denen er so gekonnt spielte, mit denen er sie nach Lust und Laune manipulierte, verließen sie die Sicherheit ihrer Realität, verliessen die Stadt, verliessen alles und folgten dem Rattenfänger. Er spielte weiter auf dem Instrument ihrer Emotionen, sodass sie nicht sahen, was er mit ihnen machte, wohin er sie führte und sie folgten ihm, wohin auch immer er sie gelockt hat.
Dieses Rattenfänger-Prinzip ist also schon alt und obwohl wir alle davor gewarnt wurden, wird es immer noch eingesetzt.
Aktueller Anlass um ganz deutlich davor zu warnen, sind die Auftritte von Frau Bär, die mit genau diesen Rattenfängermethoden dabei ist, Menschen dazu zu bringen, nicht kritisch zu denken, sondern eingelullt in Emotionen ihr zu folgen, egal in welche Fallgruben dieser Weg auch führen mag.
Sie malt schreckliche Bilder, die die Zuhörerinnen und Zuhörer packen und erschüttern sollen. Ihr Sprachgebrauch ist vollgepackt mit bewußt falschen Zahlen, falschen Behauptungen, falschen Ausdrücken – um die Zuhörer so stark wie möglich zu erschüttern.
Natürlich spricht sie von „Frauen kaufen“, von „Vergewaltigung gegen Bezahlung“, mal Bilder von Gewalt und Verbrechen, macht sexuelle Dienstleistungen und Menschenhandel in ihren Erzählungen zu ein und dem selben und beschuldigt alle Andersdenkenden, kein Herz und keine Moral zu haben.
Mit anderen Worten: sie zieht alle Register, um ihre Zuhörer in diesen Zustand der emotionalen Entrüstung zu bugsieren um dann die schnelle Lösung anzubieten: das Sexkaufverbot.
Alle Apelle, doch bitte auf eine sachliche Ebene zurück zu kommen und tatsächlich vorhandene Probleme auch wirklich zu besprechen und zu zielführenden Lösungen zu kommen, ignoriert sie und legt statt dessen noch nach, schürt weiter Emotionen, beschuldigt Andersdenkende und schafft es immer wieder, nicht kluge Problemlösungen zu besprechen, sondern andere emotional in schlechtes Licht zu stellen.
Wie gezeigt: die Rattenfängermethode par excellence.
Ich liebe die Kunst und den künstlerischen Ausdruck.
Ich geniesse es, wenn dadurch Emotionen geweckt werden.
Ich weiss um die Wichtigkeit von Gefühlen für unser Mensch-sein.
Und ich weiß um die Katastrophen, die ausgelöst werden, wenn zur Durchsetzung politischer Pläne die bewußte Entscheidung durch geschürte Emotionen, durch Propaganda verdrängt werden.
Wir brauchen empathische, kritische Menschen, um Entscheidungen zu treffen.
Wir brauchen keine Rattenfänger.
21.12.2023
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mein Jahresrückblick 2024

Sexualbegleitung ist eine professionelle, bezahlte Dienstleistung, die Menschen mit geistiger Behinderung hilft, ihren Körper, ihre Wünsche und ihre Grenzen kennenzulernen. Als Sexualbegleiter berühre ich in Liebe – das ist meine innere Haltung. Es geht um achtsame, wertschätzende Berührungen, die Sicherheit und Freude schaffen. Sex ist etwas ganz Natürliches und gehört zu unserem aller Leben dazu. Sex macht Spaß – und gerade Menschen mit geistigen Behinderungen können ihn oft ganz ungehindert und mit großer Freude genießen, wenn sie die Gelegenheit dazu bekommen.

Ich hab schon so viele Anfragen von Pflegeeinrichtungen, Angehörigen und Pflegekräften für Menschen mit Demenz bekommen. Die Situation ist immer ähnlich: Die sozialen Schranken, die wir alle im Kopf haben, sind bei Demenz einfach weg. Die Menschen, Frauen genau so wie Männer, werden plötzlich total direkt – mit Worten oder mit Verhalten. Sie sagen, was sie wollen, oder sie zeigen es ganz klar. Und manche Medikamente gegen Demenz pushen die Libido noch zusätzlich hoch. Dann entsteht in der Wohngruppe oder zu Hause schnell übergriffiges Verhalten, das den Alltag stört. Genau dann werden wir Sexualbegleiter gerufen. Wir sind zwar nicht da, um irgendwas zu „reparieren“, sondern um diesen Frauen die Möglichkeit zu geben, ihre Sexualität selbstbestimmt auszuleben. Ohne Frust, ohne Unruhe, damit sie entspannt und zufriedener durch den Tag gehen. Und wisst ihr was? Das klappt richtig gut – und steigert die Lebensqualität enorm. Und das Zusammenleben läuft dann meist deutlich entspannter. Ich arbeite als männlicher Sexualbegleiter überwiegend mit Frauen. Frauen, die Pflege brauchen, werden noch weniger als Männer als Personen mit sexuellen Bedürfnissen gesehen. Deshalb schreibe ich in diesem Blog über Frauen mit Demenz. Für Männer gilt natürlich das Gleiche.

Sexualität hört nicht auf, nur weil man älter wird. Viele Seniorinnen sehnen sich nach Berührung, Zärtlichkeit und echter Intimität – und das ist völlig normal und gesund. Es ist ja Ihr Grundrecht, selbst darüber zu bestimmen, ob und wann und wie sie Sex möchten. Ob im Pflegeheim, zu Hause oder einfach im Alltag: Das Bedürfnis nach Nähe bleibt, auch wenn es hierfür keinen geeigneten Partner (mehr) gibt. Und genau hier kommt professionelle Sexualbegleitung ins Spiel: Sie ermöglicht, auch im Alter selbstbestimmte, respektvolle Momente der Lust und des Gehalten-Werdens zu erleben, ohne Druck, ohne Verpflichtung und ohne dass etwas zurückgeben müsste.

Eine Querschnittslähmung verändert vieles im Leben – auch die Art, wie Sexualität erlebt wird. Was vorher selbstverständlich war, fühlt sich plötzlich anders an oder scheint nicht mehr möglich. Viele Menschen fragen sich: Kann ich überhaupt noch Lust empfinden? Ist ein Orgasmus noch möglich? Die Antwort lautet: Ja. Sexualität kann sich verändern – aber sie verschwindet nicht. Oft eröffnet sich sogar ein neuer, tieferer Zugang zum eigenen Körper und zu Lustempfinden. Dieser Artikel zeigt, welche Wege es gibt, Sexualität nach einer Querschnittslähmung zu erleben – nicht nur über die Genitalien, sondern über den gesamten Körper.

Meine Sexualbegleitung aus der subjektiven Sicht einer Klientin beschrieben, die fast vollständig blind und gelähmt ist und die auch kaum sprechen kann - nachdem sie vor vielen Jahren als junge Frau eine CO2-Vergiftung erlitten hat. Sie lebt in einer Pflegeeinrichtung. Der Leiter der Pflege hat ihren Wunsch nach körperlicher Nähe und liebevollen erotischen Berührungen ernst genommen und mich hinzugezogen, um ihr zu ermöglichen, ihr Leben trotz ihrer massiven Einschränkungen so selbstbestimmt wie möglich leben zu lassen.

Ich bin Thomas, ein Mann mit grauem, schulterlangem Haar, Dreitagebart und einer Vorliebe für T-Shirts, Jeans und Cowboystiefel. Als Künstler bringe ich eine tiefe Liebe für das Leben in meine Arbeit als Sexualbegleiter ein. Meine Berufung ist es, Menschen in ihren intimsten Momenten zu begleiten, ihnen einen Raum zu schenken, in dem sie sich lebendig, gesehen und wertgeschätzt fühlen können. Eine dieser Begegnungen, die mich tief berührt hat, war die mit Maria – eine Erfahrung voller Zärtlichkeit, Lachen und echter Verbindung, die mich mit großer Dankbarkeit erfüllt.

Einleitung: Sexualbegleitung als Weg zur Heilung Sexualbegleitung und Sexual Healing sind mehr als nur körperliche Begegnungen – sie sind ein Raum in dem tiefe Heilung, Selbstannahme und die Wiederentdeckung von Intimität geschehen kann. Meine Arbeit als Sexualbegleiter basiert auf meinem Motto „Ich berühre in Liebe“. In diesem Erfahrungsbericht teile ich die bewegende Geschichte von Anna* (*Name geändert), einer Frau, die durch eine einzige Session Sexualbegleitung so gestärkt wurde, dass sie heute in einer glücklichen Beziehung lebt. Ihre Worte und meine Perspektive ergänzen sich hier zu einer Erzählung, die zeigt, wie transformativ liebevolle Berührung und Achtsamkeit sein können.








